Interview & Vorstellung von LANGBRETT

Vor Kurzem hat im Hamburger Karoviertel das (bundesweit gesehen) vierte Ladengeschäft von LANGBRETT aufgemacht. Ich habe es an einem frühen Sonntag morgen eher zufällig entdeckt, direkt vor der Eröffnung. Mich hat die Kombination aus Skateboards, Surfbrettern und einer sehr ansprechenden Inneneinrichtung angesprochen. Nach ein Paar Emails haben ich mich mit Alex und Oliver von LANGBRETT getroffen um über die Entstehung und Ideen hinter LANGBRETT zu sprechen.

Langbrett ist für uns eine wunderbare Symbiose verschiedenster Lifestyles – Surfen, Skaten, Natur und Gemeinschaft. Wie ist diese Verbindung und die Marke „Langbrett“ überhaupt entstanden?

LANGBRETT ist aus einer Gruppe von Surfern entstanden, die nach einem Weg gesucht hat, ihre Erlebnisse in der Natur zu teilen und verantwortungsvoll zu konsumieren. Daraus hat sich der LANGBRETT-Klub entwickelt.

Niemand wollte sich mit den lauten, schrillen Klischees der Surfkultur identifizieren. Aber alle hatten den Wunsch weniger, dafür besser zu konsumieren. Wir haben also begonnen eigene, langlebige, verantwortungsvoll und lokal produzierte Surf-, Skate- und Outdoorprodukte zu produzieren.

Gemeinschaft und Erlebnisse in der Natur sind nach wie vor das, was LANGBRETT ausmacht: Über den Klub organisieren wir regelmäßige Treffen, veranstalten Ausstellungen, Filmabende, Nähevents, Plastiksammelaktionen, Surfreisen und gemeinsame Ausflüge in die Natur. Wir diskutieren bei diesen Treffen auch zukünftige Projekte und wurden zum Beispiel bestärkt, eine Skateschule für Kinder zu starten.

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Wie kam die Idee, ein Laden-Geschäft zu eröffnen?

LANGBRETT startete als Einzelhandel, damals noch unter dem Namen Kwik Shop in Berlin, den Oliver und seine Frau Annette geführt haben. Mit dem Klub geht es ja gerade um das ‚sich Treffen’. Online ist dafür nur bedingt geeignet. Dafür brauchen wir Läden in den Städten. Um uns auf die Entwicklung neuer Produkte zu fokussieren und den Klub weiter aufzubauen, haben wir die Läden zum Teil an Klubmitglieder und an Mitglieder des Gründungsteams abgegeben.

Aktuell habt ihr gerade den vierten Laden in Hamburg eröffnet, die anderen sind in Düsseldorf, Berlin und Frankfurt zu finden, das Konzept scheint aufzugehen. Wieso habt ihr euch gerade für diese Standorte entschieden?

Hinter unserer Standortwahl steckt keine ausgeklügelte Strategie. Die Entscheidung wird maßgeblich von den Leuten beeinflusst, die mit uns was aufbauen wollen. Für den Hamburger Laden haben wir mit Malte und Tim zwei Surf- und Outdoorprofis gefunden, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten.

Ihr habt auch eine eigene Kollektion aus fairer Produktion, dabei verwendet ihr Bio-Baumwolle und keine chemischen Zusätze.

Stimmt. Wir wollen aber aber mehr als nur das: Unsere Skateboards werden aus heimischen Hölzern im Erzgebirge und neuerdings auch in Altona handgefertigt. Unsere Sweater und T-Shirts werden in Deutschland und Portugal produziert. Für unsere Schuhkollektion verwenden wir Naturkautschuk, Bio-Baumwolle, recyceln alte Bestände aus DDR-Militärzelten, Autoreifen und Korken. Wir haben zertifizierte, vegane Schuhe im Sortiment und das Leder unserer Schuhe wird chromfrei in einer Anlage mit geschlossenem Wasserkreislauf bearbeitet.

Langbrett - Stempel

Nach welchen Kriterien sucht und findet ihr die entsprechenden Produktionsstätten und was tut ihr, um die Qualität der Langbrett-Produkte auch nachhaltig zu gewährleisten?

Wir wollen uns nicht auf Zertifikate verlassen, sondern haben den Anspruch unsere Lieferkette samt Sublieferanten zu kennen. Wir suchen Produzenten mit einem Arbeitsklima, in dem wir uns vorstellen könnten selber zu arbeiten. Das ist unser Hauptkriterium. Unsere Schuhe werden z.B. in einer Manufaktur in Portugal produziert, in der die Mitarbeiter im Krankheitsfall abgesichert sind, geregelte Arbeitszeiten haben und übertariflich bezahlt werden. Das ist zwar teurer, sichert aber auch die Qualität. Es gibt zum Glück immer mehr Menschen, die weniger aber dafür besser konsumieren möchten.

Sehr interessant für unsere Leser ist die Langbrett Schuhkollektion, die eine Entwicklung der Langbrett Gemeinschaft ist. Wie können wir uns den Entwicklungsprozess vorstellen und was sind aus eurer Sicht dabei die schwierigsten Schritte?

Wir haben bei einem der Klubtreffen im Düsseldorfer Laden die Idee eines Schuhs in die Runde geworfen: Dass es der grünste Schuh sein soll den es gibt und der 100% skatetauglich sein muss, darauf konnten sich alle schnell einigen. Schwieriger auf einen Nenner zu kommen, wurde es bei Form und Material. Deshalb ist es auch eine ganze Kollektion geworden und nicht nur ein Schuh. Im Verlauf der Herstellung haben wir die ersten Designs, Materialproben und Prototypen mit den Klubmitgliedern diskutiert. Das lustige: da einer der Produzenten nicht weit weg ist von den Surfstränden in Portugal, haben Klubmitglieder, die sowieso mit dem Wohnmobil auf dem Weg nach Portugal waren, unsere Materialen mitgenommen. Aber der schwierigste Schritt ist sicher: das Risiko einzugehen und das Machen. Nicht nur darüber reden. Es dauert ein bisschen, bis alles perfekt passt.

Langbrett - Sneaker

Ihr produziert auch eigene Skateboards (siehe https://www.langbrett.com/strasse/ein-langbrett-entsteht/ und https://www.langbrett.com/film/the-journey/), die aus unserer Sicht optisch und qualitativ jenseits der Massenproduktion liegen. Wer stellt die Decks her?

Damals gab es nur Flashy-Disco-Design Longboards auf dem Markt, die schon nach wenigen Wochen Gebrauch in die Knie gingen. Anstelle der angepriesenen Elastizität fand sich jeder Käufer eines Longboards schon bald auf einem Stapel wabbelnder Furnierschichten wieder. Da wir das Surf-Gefühl auf die Straße holen wollten, waren wir auf der Suche nach elastischem, leistungsfähigem Material zum Bau von gutmütigen Cruisern. Genau wie andere Surf- und Straßen-Longboarder haben wir in den ersten zwei Jahre mit Kohlefaser, Glasfaser und diversen Leimtechniken experimentiert. Irgendwann wollten wir aber nicht mehr anbieten, was andere gleich, oder sogar wesentlich besser konnten. Z.B. Pavel im Rheinland, der technisch nicht zu übertreffen ist.

Langbrett - Skateboards

Unsere Überzeugung und unser Herzblut stecken in unseren flachen und dauerhaft elastischen Brettern aus massiven Eschenholzleisten. Die werden entsprechend des Körpergewichtes in verschiedenen Dicken hergestellt und bleiben auch nach tausenden Kilometern noch elastisch. Die Leimtechnik ist mit der Herstellung von Hochleistungssportbögen vergleichbar, die aus dem gleichen Material hergestellt werden. Wer diese Bretter gut behandelt, hat ein Longboard fürs Leben. Produziert werden unsere Decks von einem Tischler im Erzgebrige. Und seit neustem auch auch mitten in Hamburg.

Wenn wir schon dabei sind – ihr produziert auch Surfbretter! Die sehen zwar ähnlich aus wie ein Skateboard, sind doch aber von der Konstruktion her ganz anders. Hier bietet ihr für Interessierte Brettbau-Workshops an – was kann man in einem solchen Workshop lernen und wo kann man sich anmelden?

Der Bau eines individuellen Surfbrettes gehört unserer Überzeugung nach zum Werdegang eines Surfers. Erst wenn ich verstehe, welche Form meine Erfahrung beim Surfen positiv beeinflusst, kann ich mir meine Sportgeräte passend kaufen, bzw. bauen und für jede Bedingung bewusst auswählen. Shapen kann im Grunde jeder, auch vollkommen ohne handwerkliche Vorkenntnisse. Ein Shape-Kurs ist ein gutes Erlebnis und ein Schritt, der das Bewusstsein für den Sport erweitert.
Wir organisieren mit verschiedenen Boardbauern regelmäßig Boardbaukurse und unterstützen, z.B. bei der Wahl der Brettlänge und der richtigen Finne. Anmelden kann sich gerne jeder auf unserer Webseite, oder in den Läden. Auf unserer Web- und Facebookseite informieren wir auch über Ort und aktuelle Termine.

Langbrett - Surfen

Neben dem Business gehören offensichtlich Surfen, Skaten, der Lifestyle und die Zeit in der Natur eindeutig zum Motto von Langbrett. Wo seid ihr am Liebsten wenn ihr einfach für ein paar Wochen alles liegen lassen und entspannen möchtet?

Es müssen nicht immer gleich Wochen sein. Der Berlin-Usedom Radfernweg, oder der hessische Vulkanradweg sind ideal zum Longboarden (https://www.langbrett.com/klub/klub_vulkanradweg/). Der Spreewald vor den Toren Berlins bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Paddeln. Die Zivilisation scheint dort so weit weg zu sein wie im Urwald Perus. Einziger Unterschied: Abends kann man – wenn man das denn will – wieder zu Hause sein. So holen wir uns das Naturereignis in den Alltag.

In der heutigen Zeit kann zwar jeder einen Beitrag dazu leisten die Natur nicht unnötig zu belasten, trotzdem ist doch in vielen Köpfen noch lange nicht angekommen, wie sehr unsere Weg-Werf-Gesellschaft Schaden anrichtet. Wie empfindet ihr die Entwicklung und die Einstellung gegenüber dem Menschen zur Natur? Ist da bereits ein deutlicher Einschlag zu merken, oder ist das ein Thema, das eher noch in der Minderheit der Köpfe präsent ist?

In der Gesellschaft wird ökologisches Denken und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit immer präsenter, spiegelt sich jedoch leider nicht immer im Konsumverhalten. Auch von Seiten der Politik passiert etwas: Ab 2018 verbietet die EU kostenlose Plastiktüten, zudem wird dann der Verbrauch pro Bürger rationiert. Aber bei einem jährlichen Verbrauch von 100 Milliarden Plastiktüten in der EU und einer Langlebigkeit von Plastik von rund 450 Jahren sind das vergleichsweise kleine Schritte.

Langbrett - Beanies

Umso wichtiger ist es, dass es sinnvolle Angebote für Verbraucher gibt, die weiter gehen und nachhaltiges Einkaufsverhalten ermöglichen. Uns und unseren Kunden sind Herkunft und Herstellungsprozess der Produkte extrem wichtig. Minimaler Energie- und Materialaufwand und ein höchst möglicher Recycling-Anteil sind Aspekte, die unsere Kunden erwarten. In unseren Läden werden unsere Mitarbeiter häufig dazu befragt. Mit unserer Kommunikation versuchen wir, das Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit zu stärken.

Zurück zum Skateboarding – in Düsseldorf habt ihr bereits Skatekurse etabliert und für die anderen Standorte sind für 2016 weitere Kurse geplant. Wie wir finden, eine tolle Idee – wen konntet ihr als Coaches „gewinnen“ und wie sind die Kurse aufgebaut?

Der Wunsch einer Skateschule kam wieder von Klubmitgliedern aus Düsseldorf. Mit unserem Skateexperten Niklas Krah, der seit Jahren sehr erfolgreich ist, mit seinen Freunden Noel und Lukas konzipieren wir die Kurse. Alle skaten seit 12 Jahren und sind pädagogisch geschult.

Ziel der Kurse ist es, den Spaß am Skaten zu fördern und über Erfolgserlebnisse die Grundlagen zu lernen. Wenn die Teilnehmer in der Lage sind sich ohne uns im Park, oder auf der Straße zum Skaten zu verabreden, ist unser Job getan. Für den Winter haben wir in Düsseldorf jetzt ein leerstehendes Einkaufszentrum angemietet, damit wir auch bei Schnee und Eis weitermachen können.

Skateboarding

2016 steht schon vor der Tür – was habt ihr mit Langbrett in Sachen Produkte, Standorte und Weiterentwicklung vor? Gibt es schon etwas, das verraten werden darf?

Die Skateschule für Kinder wurde in Düsseldorf sehr gut angenommen. Wir wollen das Konzept auf die anderen Standorte ausweiten. Auch wegen des Erfolgs unserer veganen Schuhe experimentieren wir mit alternativen Materialien, um mittelfristig ganz auf Leder verzichten zu können. Außerdem sind wir dabei – in Kooperation mit einem Taschenhersteller – LANGBRETT-Rucksäcke zu entwickeln und arbeiten an einer Marktneuheit für Longboards.

Vielen Dank an Alex und Oliver für das Interview! Wer mehr von diesem besonderen Laden auch im Netz sehen möchte, hier geht es zum LANGBRETT Online Shop.

Marc Jacobs verkauft jetzt Skateboards?

Tja, ich habe das Video gerade vor 5 Minuten gesehen und es scheint echt zu sein – Marc Jacobs bietet Skateboard Decks an! Es gibt eine limitierte Auflage von 150 Stück für 69 US Dollar und sie sind in den Marc Jacobs Boutiquen erhältlich. Wer’s unbedingt braucht – ich verstehe nicht so ganz warum so eine Marke überhaupt versucht in die Skateboard Branche zu kommen.

Na gut, der Skater in Film kann auf jeden Fall skaten und heisst Tristen Maldonado…viel Spaß!

Keith Haring Skateboard Decks bei Alien Workshop

Keith Haring Skateboard Decks bei Alien Workshop

Skateboarding bleibt für immer ein Teil von unserem Leben bei Styledelmundo (wir sind auch die Macher von Europeskate.com), deshalb zeigen wir immer wieder gern neue Produkte aus diesem Lifestyle-Bereich.

Alien Workshop hat eine neue Serie an Skateboard Decks zusammen mit Keith Haring rausgebracht, die sehr gut sowohl unter den Füßen funktionieren als auch als Kunst für die heimischen Wänden. Deine Entscheidung, auf jeden Fall zeigt Alien Workshop wieder mal ein gutes Auge für tolle Grafiken.

Zusammenarbeit mit HUF und ClicheThe HUF and Cliche Skateboards collaboration

Moin Moin!

Neues aus dem Hause HUF. Diesmal haben sie sich mit Cliché Skateboards zusammengetan, um eine Kollektion von Tees, Caps, Schuhen und einem Skateboard zusammen zu entwickeln. Das Ergebnis kann sich doch wieder einmal sehen lassen. Ein herrlicher Druck vom Eiffelturm zieht sich als roter Faden durch und lässt so jedes Stück zum Hingucker werden und ist gleichzeitig eine Hommage an die französische Wurzeln des Labels. Vive la France und weiter so HUF.

HUF is back with a new and really cool collaboration with one of the best and most hyped skateboard companies around: Cliché Skateboards! The result speaks for itself with this collection consisting of t-shirts, caps, shoes and a skate deck. The Eiffel tower is the recurrent theme of the collection, easily grabbing the attention of anybody checking out what you have on and at the same time it is an hommage to the French roots of the skate company label. Vive la France and keep on bringing out these nice collections HUF.

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